Seit

2021

TinyCrimes & FatGirl

Isabelle Kanther
Philipp Wegener

Die Konstruktion des Sichtbaren

Bildwelten von Isabelle Kanther und Philipp Wegener

Unsere Malerei entsteht im Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Impuls und Kontrolle. Als Künstlerduo entwickeln wir eine gemeinsame Bildsprache, die aus zwei subjektiven Perspektiven gespeist wird.

Wir zeigen Szenen, aber keine festgelegten Erzählungen. Vielmehr öffnen unsere Arbeiten narrative Räume, die jedeR BetrachterIn auf eigene Weise vervollständigen kann. Figuren, Blicke und Bewegungen tauchen auf wie Erinnerungen – flüchtig, fragmentarisch, und doch intensiv. Unsere Malerei versteht sich als Ort der Wahrnehmung – ein Raum, in dem Bedeutung erst im Akt des Betrachtens entsteht.

Ein zentrales Element unserer Arbeit ist das Phänomen der Pareidolie – die menschliche Tendenz, in amorphen Strukturen vertraute Muster zu erkennen, vor allem Gesichter oder Körper. Diese unwillkürliche Sinnsuche aktiviert das Bild: Es wird nicht nur betrachtet, sondern beantwortet. Wir nutzen diesen Effekt gezielt, um Sehen nicht als passiven Vorgang zu inszenieren, sondern als aktiven, psychologisch aufgeladenen Akt.

Ob in körperhaften Andeutungen ohne klares Gesicht, in vieldeutigen Konstellationen oder in Bildern, die innere Zustände sichtbar machen – unsere Arbeiten bleiben offen. Sie sind bewusst unfertig im besten Sinne: Eine Einladung zum Mitdenken.

Unsere Themen kreisen um:
– die Fragilität und Wandelbarkeit des Subjekts
– den Körper als durchlässige Form und Projektionsfläche
– emotionale Zustände, innere Landschaften und zyklische Prozesse
– sowie die Frage, wie Sichtbarkeit entsteht – und was verborgen bleibt

Gemeinsam vertrauen wir auf das Offene, das Nicht-Finale. Unsere Bilder wollen nicht nur gezeigt, sondern erlebt werden.

Kunsthistorisch bewegen wir uns im Umfeld der gestischen Malerei, des Neoexpressionismus und einer zeitgenössischen Figurationskritik. Gleichzeitig formulieren wir eine eigenständige Haltung – gegen visuelle Eindeutigkeit, gegen digitale Glätte. Unsere Malerei setzt auf Mehrdeutigkeit und Präsenz.

Unsere Zusammenarbeit ist dabei mehr als ein Arbeitsmodell – sie ist Teil unserer künstlerischen Haltung. Wir verstehen Autor*innenschaft als offenen, dialogischen Prozess, jenseits des Mythos vom isolierten Genie. Im Zentrum steht für uns das Gemeinsame: das Aushandeln von Form und Inhalt, das Zulassen von Reibung und das Aushalten von Mehrdeutigkeit.

In einer Zeit, in der Bilder schnell konsumierbar und sofort lesbar sein sollen, plädieren wir für eine geduldige Form des Sehens.